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Die Kunst des Unauffälligen

Editorial des Email-Newsletters 10-2014 vom 22.10.2014

21.10.2014

Gerhard Schmidt

Gerhard Schmidt 
Chefredakteur des "Forum Elektronische Steuerprüfung".

 

Vielleicht erinnert sich der Eine oder die Andere noch. Vor rund zehn Jahren kam eine Chi-Quadrat-Software für Gastronomen auf den Markt. Die Idee dahinter: Der Imbissbudenbesitzer sollte bei der Aufzeichnung seiner frei erfundenen Tageseinnahmen sich nicht im vom Betriebsprüfer ausgelegten Netz mathematisch-statistischer Methoden verheddern. Schließlich wissen wir, dass jeder Mensch seine Lieblingsziffer hat und über die lassen sich Steuerschummler packen. Also gilt es hier, unauffällig zu bleiben. Mithilfe besagter Software.

Die Zahlen einer Imbissbude ins harmlose Verhältnis zueinander zu setzten, ist Kleinkunst. Die Leinwand für die großen Künstler heißt Verfahrensdokumentation. In dieser Unternehmenschronik lassen sich opulente Bilder einer heilen, stimmigen Unternehmenswelt malen. Dass die entscheidenden Details darin fehlen, kann auch der akribischste Betrachter nicht erkennen. Auf kleine, harmlose Irritationen wird er dagegen stoßen. Denn die gehören zum Alltag immer dazu. In jedem Unternehmen hat irgendein Mitarbeiter an irgendeiner Stelle geschlampt ohne dass das aufgefallen wäre. Also wird dem Betriebsprüfer die Genugtuung gegönnt, dies jetzt auf dem Gemälde zu entdecken.

Die großen Künstler dieser Gattung könnten von ihrer fachlichen Qualifikation sofort in leitender Position bei der Steuerfahndung einsteigen. Attraktiv dürfte das im Vergleich von Angestelltentarif und Honoraren des freien Marktes allerdings kaum sein.

Schade, dass die genialen Werke der Meister der Kunst des Unauffälligen nie an die Öffentlichkeit kommen.

Ihr Gerhard Schmidt

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