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Auf dem Weg zur Steuerprüfung in Echtzeit

Editorial des Email-Newsletters 10-2010 vom 21.10.2010

20.10.2010

Gerhard Schmidt

Gerhard Schmidt 
Chefredakteur des "Forum Elektronische Steuerprüfung".

 

Unternehmen untereinander müssen elektronische Rechnungen stellen und ihre Transaktionen über Geschäftskonten abwickeln. Rechnungen an Privatkunden für Transaktionen über 3.000 € werden ebenfalls nur in elektronischer Form akzeptiert. Die Steuerbehörden haben direkten Zugriff auf die elektronischen Daten. So sieht es in Griechenland nach der jüngsten Steuerreform aus. Brasilien geht noch weiter. Dort müssen Rechnungen erst elektronisch im Finanzamt eingereicht werden, wo sie elektronisch signiert werden, danach erst darf eine Warenlieferung zusammen mit den signierten Begleitpapieren auf die Reise gehen. Mexiko wird ab dem kommenden Jahreswechsel in dieselbe Richtung gehen.

"In den nächsten beiden Jahren werden in Europa die rechtlichen Grundlagen für eine Pflicht zum elektronischen Rechnungsaustausch geschaffen. Bis 2015 werden die Finanzbehörden dann zu einer Rechnungsprüfung in Echtzeit übergehen." So die Prognose des international renommierten Unternehmensberaters und Marktanalysten Bruno Koch in seinem Ausblick beim kürzlich zu Ende gegangenen zum "European EXPP Summit", dem führenden europäische Fachkongresses für elektronischen Rechnungsaustausch.

Treibkraft für diese Entwicklung sei die Krise der Staatsfinanzen. Dieser soll mit höheren Steuereinnahmen begegnet werden. Vorreiter seien Insbesondere Länder mit großer Schattenwirtschaft und gleichzeitig etablierter Kontrollkultur. Dazu gehören neben Deutschland auch Griechenland, Italien, Portugal, Frankreich, Spanien und Belgien.

Den frischen Wind, der in diese Richtung weht, spüren wir schon jetzt immer deutlicher. Wo immer und wie immer es dem Fiskus möglich ist, beschafft er sich elektronische Daten aus den Unternehmen. Jüngstes Beispiel dafür ist die E-Bilanz, die ab 2011 von allen bilanzierenden Unternehmen gefordert wird. Ob deren Einführung klappen kann und wird, bezweifelt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch erfahrene und besonnene Mitglieder der Finanzverwaltung. Doch die E-Bilanz wird wohl wie vorgesehen durchgepeitscht.

Auch daran werden wir uns gewöhnen müssen, dass der technisch-organisatorischen Unternehmensrealität entfremdete Politiker und Ministerialbürokraten beim Drehen an der Steuerschraube weit über das Ziel hinausschießen und praktisch Unmögliches fordern. Szenarien wie das, dass Mitte Dezember ein Jahressteuergesetz für das neue Jahr beschlossen wird, dessen Umsetzung in den Unternehmen jedoch wochenlange Vorbereitung erfordert, sind nicht unbedingt auszuschließen.

Wie wäre es, wenn wir ganz freiwillig schon heute unserem Finanzamt eine Freude machen und seinen Datenhunger stillen, indem wir ihm alle unsere Rechnungen schicken? Nicht elektronisch, sondern als Fax, schließlich sind Papierrechnungen ja noch erlaubt. Zumindest das Gefühl für technisch-organisatorische Zusammenhänge können wir beim Fiskus durch die dort dann auflaufenden Papierberge wecken.

Ihr Gerhard Schmidt

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