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Basar für Steuerhinterziehung

Editorial des Email-Newsletters 07-2008 vom 07.07.2008


Gerhard Schmidt

Steuerhinterziehung ist ein lukratives Geschäft. Sofern man nicht erwischt wird, allemal. Doch auch wenn der Schwindel auffliegt, lässt sich daraus noch Kapital schlagen. So wie im Fall von Reinhold Würth, den Stritter in seiner Forums-Spitze vom Juni bereits aufs Korn genommen hat. Durch einen cleveren Deal werden dann aus dem Vorwurf, privat 40 Millionen und im Konzern insgesamt eine dreistellige Millionensumme hinterzogen zu haben, eine Strafe von allerhöchstens 3,5 Millionen. Das rechnet sich doch! Der kleine Steuerhinterzieher wird wohl keinen so großzügigen Promibonus bekommen, wie Milliardär Würth, doch wenn der Staat hier Verhandlungsbereitschaft zeigt, dann muss die auch genutzt werden. Das Geschäftsmodell „Steuerhinterziehung“ kennt aber noch eine weitere Facette. Kennen Sie einen Steuerhinterzieher? Dann hilft Ihnen die Firma steuerverrat.de Ihr Wissen zu Geld zu machen, indem sie – Modell: Liechtenstein-Listen – mit den Behörden ein Honorar für Ihre Kenntnisse aushandelt. Ist der Steuersünder überführt, und Sie kassieren die Belohnung, ist eine Vermittlungsprovision fällig. Wir sehen: Der Staat gebärdet sich beim Thema Steuerhinterziehung wie ein Händler auf dem orientalischen Basar. Hier wird um Prämien für die Überführung von Steuerhinterziehern gefeilscht, dort um den Discount für die Ertappten. Werden wir bald einen blühenden Markt „Steuerhinterziehung“ erleben? Werden Wirtschaftsanwälte wetteifern, wer den größten Promirabatt für seine Klientel herausschlägt, die föderalen Finanzverwaltungen sich darin über(oder unter-)bieten, wer am meisten (oder wenigsten) für den Verrat von Steuersünder springen lässt, die Vermittler darin konkurrieren, wer die höchsten Belohnungen beim Fiskus herausschlägt und Kopfgeldjäger einander die Steuerbetrüger wegschnappen? Wir sind gespannt! Der Staat reguliert mit seinen Preisen, wie groß und bunt der Markt wird.

Ihr Gerhard Schmidt

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